Ein E-Book, das Mut macht: Mai Linh Tran widerspricht dem Zeitgeist – klug, scharf und mit Stil. Ich habe es gelesen. Und war begeistert.
„Was Gendern bedeutet, dürften inzwischen die meisten wissen“, schreibt Genderleicht.de forsch. Und es liege „im Trend“.
Mag sein. Doch als Liebhaber der deutschen Sprache treibt mich dieser Trend um. Gendern, Wokeness, Political Correctness, Cancel Culture – vieles davon tritt mit moralischem Anspruch auf. Doch oft wirkt es belehrend, überheblich, sprachlich verkrampft. Die Debatte ist laut. Differenzierung bleibt auf der Strecke.
Als mir der DCV-Verlag das E-Book „Ich bin nicht woke“ von Mai Linh Tran zur Rezension anbot (Link zu Amazon), sagte ich sofort zu. Der Titel traf einen Nerv. Zu lange schon ärgere ich mich über Sprachverbiegungen, die mehr verwirren als klären.
Eine Stimme der Vernunft
Mai Linh Tran schreibt klar. Sie argumentiert präzise. Und sie scheut den Widerspruch nicht.
Ihr Buch ist kein Wutpamphlet. Es ist ein leidenschaftliches Plädoyer für Maß und Mitte. Tran analysiert, wie sich der Begriff „woke“ vom ursprünglich berechtigten Ruf nach Aufmerksamkeit für Diskriminierung zu einer Haltung entwickelt hat, die Andersdenkende schnell moralisch abwertet.
Sie benennt Widersprüche. Sie zeigt, wie Sprache zum Machtinstrument wird. Und sie fragt: Dient das alles wirklich der Verständigung – oder eher der Abgrenzung?
Sprache ist Heimat
Besonders eindrucksvoll ist ihr Blick auf die Sprache.
Tran kritisiert nicht Gleichberechtigung. Sie kritisiert die Art, wie politische Ziele durch sprachliche Vorschriften durchgesetzt werden sollen. Das Gendern, so ihre These, schaffe oft neue Barrieren statt Brücken. Es zerstöre gewachsene Sprachstrukturen und erschwere den Lesefluss.
Diese Argumente trägt sie ruhig vor. Mit Beispielen. Mit historischem Bewusstsein. Ohne Polemik.
Man spürt: Hier schreibt jemand, der die deutsche Sprache liebt – und sie nicht ideologischen Experimenten überlassen will.
Mut zur Gegenrede
Tran widerspricht der Selbstgewissheit einer Bewegung, die sich gern auf der moralisch richtigen Seite wähnt. Sie tut das ohne Hass, aber mit klarer Haltung.
Sie zeigt, wie schnell Kritik als unsensibel gilt. Wie rasch Menschen ausgegrenzt werden, wenn sie Fragen stellen. Ihr Buch ruft dazu auf, Debatten wieder offen zu führen – ohne Denkverbote.
Das ist wohltuend. Und nötig.
Mein Fazit
„Ich bin nicht woke“ ist lesenswert. Erfrischend. Sprachlich stark.
Mai Linh Tran spricht mir aus der Seele. Sie verteidigt Differenzierung gegen Vereinfachung. Sie verteidigt Sprache gegen Verformung. Und sie verteidigt das Recht, anderer Meinung zu sein.
Dieses E-Book1 ist ein Befreiungsschlag.
Danke, Mai Linh Tran.
Quellen / Weiterführende Informationen
Über die Autorin: Mai Linh Tran kam im Kindesalter als Flüchtling aus dem Vietnamkrieg nach Deutschland, wurde hierzulande aufgenommen, ist hier zur Schule gegangen, besitzt seit vielen Jahren die deutsche Staatsangehörigkeit, hat einen Beruf ergriffen und sich in die Riege der deutschen Steuerzahler eingereiht. Sie ist von der deutschen Kultur und der europäischen Liberalität begeistert und hat wenig Verständnis dafür, dass die Europäer und insbesondere die Deutschen so häufig ihr Licht unter den Scheffel stellen.
- Auch als Buch erhältlich, hier Link zu Amazon ↩︎
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