Es gibt Bücher, die man liest und rasch vergisst. Und es gibt „Der neue Kulturkampf“ von Susanne Schröter. Dieses Buch fordert mich – und es berührt mich.
Seit Jahren wehre ich mich gegen bequemes Wegsehen. Schröters Analyse wirkt wie ein schmerzhafter, aber nötiger Befreiungsschlag. Gerade in einer Zeit, in der das freie Wort unter Druck gerät.
Klare Analyse statt bequemer Deutung
Schröter überzeugt durch Sachkenntnis. Als Ethnologin blickt sie tiefer. Sie beschreibt nicht nur Symptome, sondern legt kulturelle und ideologische Muster frei. Sie streitet – und das ist gut so.
Gendern als Streitpunkt
Besonders bewegt mich ihr Blick auf die Sprache. Die Debatte um das Gendern steht für mich exemplarisch für den Konflikt, den Schröter beschreibt. Ich lehne das Gendern ab, weil es Sprache verkompliziert und oft verordnet wirkt.
Auf Seite 158 schreibt Schröter:
„Wer nicht gendert, macht sich automatisch verdächtig und setzt sich dem implizierten Vorwurf aus, Sexist, Reaktionär, transphob oder rechts zu sein. Die linke Dissidentin Emily Lau beschreibt das Gendersternchen als «Dreschflegel, mit dem man die rechte Streu vom linken Weisen trennt»* Mit so jemandem möchte man nicht unbedingt etwas zu tun haben, denn auch das Prinzip der Kontaktschuld muss bedacht werden. Wer sich nicht deutlich von einer Person abgrenzt, die vielleicht rechts sein könnte, ist am Ende möglicherweise selbes rechts.“
Diese Passage trifft den Kern. Sprache soll verbinden, nicht trennen. Wenn sie zum politischen Instrument wird, leidet ihre Klarheit – und mit ihr die Verständigung.
Der Vorwurf des Extremismus
Es irritiert mich, wie Kritiker Schröter in die Nähe des Rechtsextremismus rücken. Ich habe ihre Texte genau gelesen. Die Vorwürfe tragen nicht. Im Gegenteil: Sie verteidigt Aufklärung, Liberalismus und offene Debatte.
Wer Kritik moralisch delegitimiert, ersetzt Argumente durch Etiketten. So verarmt der Diskurs.
Ein Thema, das trifft
Schröter beschreibt eine Ideologie, die spaltet. Wenn Menschen wieder in Gruppen sortiert werden, wächst die Distanz. Universelle Maßstäbe geraten unter Druck.
Wenn an Universitäten bestimmte Fragen nicht mehr gestellt werden, gerät etwas aus dem Gleichgewicht.
Fazit
Dieses Buch bringt Klarheit in eine vernebelte Debatte. Es ermutigt, standzuhalten – gegen Druck und moralische Abwertung.
„Der neue Kulturkampf“ richtet sich gegen Gleichgültigkeit. Es fordert dazu auf, genau hinzusehen. Ein Buch für alle, die geistige Freiheit ernst nehmen.
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