Ein Politiker blickt zurück auf Parlament, Protest und Demokratie‑Debatten. Aber wie unbequem ist dieser Demokrat wirklich? Eine Reise durch ein Buch, das mehr Fragen stellt, als es beantwortet.
Ankunft im Parlament – Ein Leben zwischen Flensburg und Berlin

Wolfgang Börnsen (*26. April 1942 in Flensburg; † 2. November 2024) saß von 1987 bis 2013 im Deutschen Bundestag. Von 2005 bis 2013 führte er die Arbeitsgruppe Kultur und Medien der CDU/CSU-Fraktion. Jahrzehnte im Zentrum der Macht, Jahre im Spagat zwischen Partei, Parlament und öffentlicher Erwartung.
Sein Buch „Der unbequeme Demokrat“ ist kein Memoiren-Schmöker. Es ist eher ein politisches Manifest mit autobiographischen Akzenten. Börnsen will nicht nur erzählen, er will aufrütteln: Muss der Parlamentarismus in Deutschland modernisiert werden, damit er eine Zukunft hat?
Demokratie im Spiegel – Fragen, die weh tun
Börnsen geht den Fragen nach, die unsere Demokratie auf die Probe stellen: Können mehr Bürgermitsprache, ein Ombudsmann, die Verlängerung der Legislaturperiode auf fünf Jahre, eine Drei-Prozent-Klausel oder Direktwahlen dazu beitragen, dass die Bürgerinnen und Bürger sich wieder stärker mit dem demokratischen Rechtsstaat identifizieren?
Diese Gedanken schließen an sein erstes Buch „Vorbilder mit kleinen Fehlern – Abgeordnete zwischen Anspruch und Wirklichkeit“ an, das bisher in zehn Sprachen übersetzt wurde. Börnsen bleibt sich treu: nüchtern, reflektiert, manchmal provokant, aber stets auf der Suche nach Lösungen.
Unbequem, aber bedacht – Zwischen Theorie und Erfahrung
Der Titel verspricht Unbequemlichkeit – und ja, Börnsen nimmt Stellung. Aber seine Unbequemlichkeit ist nüchtern, argumentativ, eher reflektierend als rebellisch. Er will nicht provozieren um der Provokation willen. Gerade im Bereich Erinnerungskultur, etwa in Flensburg, zeigt er, wie politische Geschichte Debatten entfacht und Werte spürbar macht.
Politik als Anekdotenreise
Überraschender als die Reformdebatten sind die kleinen Geschichten, die Börnsen erzählt. Begegnungen mit Kollegen, Kurioses aus dem Bundestag, Initiativen für junge Politiker aus Osteuropa nach dem Fall des Eisernen Vorhangs. Diese Geschichten geben dem Buch Herz – mehr als viele abstrakte Reformideen.
Zwischen Vision und Wirklichkeit
„Der unbequeme Demokrat“ ist kein Manifest radikaler Erneuerung. Er ist auch keine nostalgische Rückschau. Er ist das Werk eines Politikers, der abwägt, fragt, reflektiert. Wer Reformen erwartet, findet Werkzeuge, keine fertigen Lösungen. Wer aber politische Erfahrung schätzt, findet Einsichten und Einblicke, die mehr als trockenes Fachwissen bieten.
Fazit: Ein Politiker, der Fragen stellt
Börnsens Buch ist weder Kampfansage noch trockene Abhandlung. Es pendelt zwischen Beobachtung, Erfahrung und Debatte. Für Leser, die politische Theorie lieben, bietet es Fragen. Für solche, die politische Geschichten mögen, bietet es Authentizität. Für alle, die Demokratie ernst nehmen, einen Spiegel. Weniger Radikalisierer, mehr nüchterner Mahner – ein unbequemer Demokrat, der nachdenklich macht.
Quellen / Weiterführende Informationen
Wer neugierig geworden ist: Das Buch gibt’s überall, wo gute Bücher liegen – im Laden, online oder direkt beim Verlag Verlagsgruppe.de.
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